EUS-BD (endosonographisch gesteuerte biliäre Drainage; englisch: endoscopic ultrasound-guided biliary drainage) umfasst unterschiedliche transluminale und Rendezvous-Verfahren. ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) und PTBD (perkutane transhepatische biliäre Drainage) sind je nach Anatomie und Krankheitskonstellation Alternativen oder komplementäre Zugänge. Die Verfahrenswahl benötigt ein definiertes Drainageziel und einen vorbereiteten Komplikationspfad.
Distale maligne Obstruktion
Bei fehlgeschlagener ERCP und distaler maligner biliärer Obstruktion empfiehlt die europäische Leitlinie bei verfügbarer Expertise die endosonographische Drainage gegenüber der perkutanen Ableitung. Diese Aussage darf nicht unterschiedslos auf jede benigne oder hiläre Obstruktion übertragen werden. Die aktualisierte Stenosenleitlinie 2026 unterscheidet ebenfalls nach Ätiologie, Obstruktionshöhe und Zugänglichkeit der Papille.
Wahl des Zugangs
EUS-CDS (endosonographisch gesteuerte Choledochoduodenostomie) verbindet den extrahepatischen Gallengang mit dem Duodenum. EUS-HGS (endosonographisch gesteuerte Hepatikogastrostomie) nutzt den transgastralen Zugang zu einem intrahepatischen Gallengang. Gangdilatation, Interposition von Gefäßen, Wandabstand, Aszites, Tumorausdehnung und eine mögliche Duodenalstenose beeinflussen die Eignung des jeweiligen Zugangs.
LAMS (lumenapposierender Metallstent; englisch: lumen-apposing metal stent) können bei geeigneter Choledochoduodenostomie eingesetzt werden. Sie sind nicht mit den Stentkonzepten für eine Hepatikogastrostomie gleichzusetzen. Die Abbildung auf dieser Seite zeigt ausschließlich eine Choledochoduodenostomie; andere Zugänge sind darin nicht dargestellt.
Hiläre und benigne Konstellationen
Bei hilärer Obstruktion müssen Zielsegmente und erwartbarer Drainageanteil bereits anhand der Schnittbildgebung geplant werden. Endosonographische, transpapilläre und perkutane Verfahren können kombiniert erforderlich sein. Ein technisch platzierter Stent in einem einzelnen Gangsegment bedeutet nicht zwangsläufig eine ausreichende funktionelle Drainage.
Bei benignen Erkrankungen und zugänglicher Papille kann ein erneuter fachkundiger transpapillärer Versuch oder ein Rendezvous-Verfahren in Betracht kommen. Die Entscheidung wird anhand der konkreten Anatomie und der langfristigen Konsequenzen einer transmuralen Fistel getroffen. Eine einheitliche Salvagestrategie für sämtliche Ursachen einer fehlgeschlagenen ERCP gibt es nicht.
Komplikationen und klinischer Endpunkt
Blutung, Galleleckage, Perforation, Stentfehlplatzierung, Migration und spätere Okklusion erfordern ein strukturiertes Management. Neben technischer Platzierung sind klinische Entlastung, Infektkontrolle und die Möglichkeit notwendiger Reinterventionen zu beurteilen. Die Nachbeobachtung und Zuständigkeit bei einer Stentdysfunktion sollten vor der Entlassung feststehen.
