EUS-FNB (endosonographisch gesteuerte Feinnadelbiopsie; englisch: endoscopic ultrasound-guided fine-needle biopsy) zielt auf Gewebezylinder mit erhaltener Architektur. EUS-FNA (endosonographisch gesteuerte Feinnadelaspiration; englisch: fine-needle aspiration) dient überwiegend der zytologischen Materialgewinnung. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Zielstruktur, Differenzialdiagnose und dem Bedarf an histologischer, immunhistochemischer oder molekularer Charakterisierung.
Filmseite: Feinnadelbiopsie und Transkript
Indikationsstellung und Entnahmeplanung
Eine Gewebesicherung ist insbesondere dann relevant, wenn ihr Ergebnis die onkologische Behandlung oder die Abgrenzung alternativer Diagnosen beeinflusst. Die notwendige Materialmenge ist vorab mit der Pathologie abzustimmen. Eine Punktion allein zur Bestätigung eines bereits ausreichend geklärten, unmittelbar operativ zu behandelnden Befunds ist nicht automatisch erforderlich. Bei Verdacht auf entzündliche, lymphatische oder neuroendokrine Erkrankungen können unterschiedliche Anforderungen an Aufarbeitung und Zusatzdiagnostik bestehen.
Nadelwahl und Technik
Die ESGE (European Society of Gastrointestinal Endoscopy) bevorzugt im Technical and Technology Review 2025 für solide Pankreasläsionen End-cutting-Biopsienadeln gegenüber Reverse-bevel-Biopsienadeln oder Aspirationsnadeln. Die ASGE (American Society for Gastrointestinal Endoscopy) empfiehlt ebenfalls Biopsienadeln und spricht sich bei soliden Pankreasraumforderungen bedingt für 22-Gauge- gegenüber 25-Gauge-Nadeln aus. Anatomische Erreichbarkeit und sichere Nadelführung bleiben entscheidend.
Nach dopplersonographischer Kontrolle des Zugangswegs erlaubt die Fanning-Technik die Entnahme aus unterschiedlichen Läsionsbereichen. Für moderne End-cutting-Nadeln nennt die europäische Empfehlung zwei Passagen als Ausgangspunkt; bei unzureichender Repräsentativität ist die Strategie anzupassen. Wet-suction- und Slow-pull-Techniken sind etablierte Optionen. Nekrotische Areale und ein blutreiches Präparat können die diagnostische Ausbeute beeinträchtigen.
Materialqualität und Befundinterpretation
ROSE (rapid on-site evaluation; zytologische Sofortbeurteilung) ist bei moderner Biopsietechnik nicht regelhaft notwendig. MOSE (macroscopic on-site evaluation; makroskopische Sofortbeurteilung) unterstützt die Beurteilung des gewonnenen Materials. Sichtbares Gewebe beweist allerdings noch nicht, dass der diagnostisch relevante Läsionsanteil erfasst wurde. Fixierung, Transport und gegebenenfalls gesonderte Proben für Zusatzuntersuchungen müssen zum Untersuchungsauftrag passen.
Ein negativer oder nicht diagnostischer Befund besitzt bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit keine ausreichende Ausschlusskraft. Zu prüfen sind Repräsentativität, Entnahmeweg, entzündliche Begleitveränderungen und die Übereinstimmung mit der Bildgebung. Eine erneute gezielte Punktion oder eine andere diagnostische Strategie kann erforderlich sein. Das Ergebnis sollte im interdisziplinären Kontext und nicht als isolierter Laborwert bewertet werden.
Abgrenzung zur Zystenpunktion
Empfehlungen zur Entnahme aus soliden Läsionen sind nicht pauschal auf Zysten übertragbar. Bei Zysten steht eine konkrete differenzialdiagnostische Fragestellung im Vordergrund; Flüssigkeitsanalyse, Zytologie und selektive Zusatzverfahren müssen daran ausgerichtet werden. Der Review 2025 bevorzugt für die muzinöse Einordnung bedingt die Punktatglukose gegenüber dem karzinoembryonalen Antigen. Die Entitätszuordnung und der Nachweis hochgradiger Dysplasie sind unterschiedliche diagnostische Ziele.
