ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) bezeichnet den endoskopisch-fluoroskopischen Zugang zum Gallen- beziehungsweise Pankreasgangsystem über die Papille. EUS (Endosonographie; englisch: endoscopic ultrasound) und MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie) ermöglichen in vielen diagnostischen Konstellationen eine vorgelagerte Abklärung. Die ERCP benötigt daher in der Regel ein konkretes therapeutisches Ziel oder eine gezielte intraduktale diagnostische Fragestellung.
Filmseite: Ballonextraktion im Gallengang und Transkript
Choledocholithiasis und Drainageindikation
Bei nachgewiesener oder klinisch hochwahrscheinlicher Choledocholithiasis wird die Extraktionsstrategie an Steingröße, Steinlage, distalen Gangdurchmesser und Papillensituation angepasst. Sphinkterotomie, Ballondilatation, Ballon- oder Korbextraktion sowie Lithotripsieverfahren sind befundabhängige Bausteine. Ist eine vollständige Sanierung zunächst nicht möglich, sind die Sicherung eines ausreichenden Abflusses und ein verbindlicher Folgetermin wesentlich.
Bei einer biliären Obstruktion bestimmen Ätiologie, Höhe, Infektionskonstellation und das weitere chirurgische oder onkologische Konzept den Drainageplan. Eine distale Stenose ist anders zu behandeln als eine hiläre Obstruktion. Bereits vor Kontrastierung sollte feststehen, welche Gangabschnitte tatsächlich drainiert werden können.
Unklare Stenosen: Diagnostik vor endgültiger Festlegung
Bei Ikterus und distaler extrahepatischer Stenose ohne nachweisbare Pankreasraumforderung empfiehlt die europäische Diagnostikleitlinie die Kombination endosonographischer und ERCP-basierter Gewebegewinnung. Bei perihilären Stenosen werden Bürstenzytologie und fluoroskopisch geführte Biopsien kombiniert, soweit technisch möglich. Eine Punktion der primären perihilären Läsion ist insbesondere bei kurativem oder transplantationsbezogenem Behandlungskonzept nicht unkritisch; sie muss vorab im zuständigen Behandlungsteam abgestimmt werden.
Stentwahl nach Befund und Behandlungsziel
SEMS (selbstexpandierender Metallstent; englisch: self-expandable metal stent) und Kunststoffstents erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die Leitlinie zum Stenosenmanagement 2026 rät bei unbestätigter Ätiologie einer extrahepatischen Obstruktion von unbeschichteten Metallstents ab. Bei benignen Stenosen ist die temporäre Behandlung mit geplanter Entfernung oder geplantem Wechsel vom palliativen Vorgehen bei gesicherter Malignität zu unterscheiden. Ein initial funktionierender Stent ersetzt keinen dokumentierten Nachsorgeplan.
Prävention und Nachbeobachtung
PEP (Post-ERCP-Pankreatitis) ist eine wesentliche prozedurbezogene Komplikation. Zur Prävention gehören die individuelle Risikoeinschätzung, möglichst atraumatische drahtgeführte Kanülierung und die leitliniengerechte Pharmakoprophylaxe. NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie rektal verabreichtes Diclofenac oder Indometacin werden bei fehlenden Kontraindikationen eingesetzt; bei definierten Hochrisikokonstellationen kommt ein prophylaktischer Pankreasstent hinzu. Flüssigkeitsgabe und Überwachung sind unter Berücksichtigung kardialer und renaler Risiken zu planen.
Blutung, Cholangitis und Perforation sind weitere relevante Komplikationen. Eine Antibiotikaprophylaxe wird nicht undifferenziert für jede ERCP angesetzt, sondern beispielsweise bei erwartbar unvollständiger Drainage oder Cholangioskopie indikationsbezogen geprüft. Die Entlassungsentscheidung berücksichtigt Intervention, Beschwerden, Begleiterkrankungen und den gesicherten weiteren Zugang zur Versorgung.
